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Denkanregungen

Der Dilettant scheut allemal das Gründliche,

überspringt die Erlernung notwendiger Kenntnisse,

um zur Ausübung zu gelangen,

verwechselt die Kunst mit dem Stoff.


J.W.v.Goethe

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Was versteht man unter Kritik und kritisches Denken? Gerhard Schweppenhäuser hat diese Frage knapp und aussagekräftig beantwortet: "Wenn wir vernünftig reflektieren, das heißt, wenn wir systematisch und zusammenhängend denken, dann verhalten wir uns auch schon kritisch. Kritisieren heißt unterscheiden und mit Gründen entscheiden. 'Kritik' und 'Krise' hängen nicht nur der Wortgeschichte nach miteinander zusammen. Kritik kristallisiert sich in krisenhaften Situationen heraus: als Negation des Bestehenden. Der objektive Zweck der Negation aber ist das Bessere, also etwas Positives, das es herzustellen gilt - ganz gleich. ob und wie konturiertes sich schon benennen läßt." (Schweppenhäuser, G., 2003: Theodor W. Adorno zur Einführung. Hamburg:Junius Verlag, S. 19)

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Die Frage, wie sich der Medienkonsum auf die Fähigkeit zur Konzentration auswirkt, beschäftigt die Erziehungswissenschaft schon seit langer Zeit und in vielfältiger Form. Ich erinnere mich an Klagen von LehrerInnen, die über SchülerInnen in den ersten Stunden nach einem fernsehreichen Wochenende  klagten, diese würden den Eindruck erwecken, deren Gehirn sei noch immer an das Fernsehprogramm der Vortage angeschlossen. Es gelang kaum, diese Kinder auf ein anderes, unterrichtsrelevantes Thema zu konzentrieren. Eine Wirkung von Medien, egal welcher Art (ob Handy, Computer, Fernseher u.a.), ist die Inanspruchnahme unserer Gehirnfunktionen. Sicherlich kann der Mensch sich gleichzeitig auf mehrere Dinge konzentrieren. Aber die steigenden Unfahlzahlen, die auf den Handygebrauch beim Autofahren zurückzuführen sind, sprechen eine deutliche Sprache: Man kann sich eben doch nicht so gut auf zwei Dinge konzentrieren. In einem kürzlich veröffentlichten Interview hat Günter Grass festgestellt, dass die Fähigkeit zur Konzentration durch Mediennutzung abnehme: "Lesen heisst ja, zu einem abstrakten Schriftbild etwas zu imagininieren. Das ist ein tätiger Vorgang, während Fernsehen und alles, was über die kleinen Gerätchen läuft, nur bedient. Eine Folge ist eine deutliche Abnahme der Fähigkeit, sich konzentrieren zu können. Die ist aber vonnöten beim Lesen." Und eine vielleicht noch wichtigere Folge des wachsenden Medienkonsums ist der Verlust von eigenen, unmittelbaren Erfahrungen. Hierzu hat Helmut Sturm eine sehr aufschlussreiche Frage aufgeworfen: "Wenn Erfahrung bedeutet, Welt zu erfahren, sie zu entdecken, sich auf sie einzulassen, selbst Wege zu finden, sie sich zu erschliessen, erfahren zu werden, anzuknüpfen an Vorgängiges, aufzubewahren, zu bewahren, einzugreifen und die Eingriffe in ihren Wirkungen und Wechselwirkungen zu erleiden oder zu genießen, sie zu erkennen, die aktiven, intendierten oder imaginierten, die passiven und aktiven Bewegungen als bewusst gestaltete Beziehungen aufzubauen, ist vor der Welt der Bildschirme Erfahrung überhaupt noch möglich?" Diese Frage sollte diskutiert werden, bevor man die Schulen immer mehr mit Bildschirmen ausstattet und diesen zunehmend den  Bildungsprozesse überlässt. 

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Denkanregung

Im Gang der Dinge scheint stets der Überlebende recht zu haben. Wer oben schwimmt, meint bei der Wahrheit der guten Sache zu sein. Darin liegt die tiefe Ungerechtigkeit der Blindheit für die Scheiternden ... welche durch die Ereignisse zertreten werden.

Karl Jaspers

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Der Dilettant scheut allemal das Gründliche,

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J.W.v.Goethe

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Was versteht man unter Kritik und kritisches Denken? Gerhard Schweppenhäuser hat diese Frage knapp und aussagekräftig beantwortet: "Wenn wir vernünftig reflektieren, das heißt, wenn wir systematisch und zusammenhängend denken, dann verhalten wir uns auch schon kritisch. Kritisieren heißt unterscheiden und mit Gründen entscheiden. 'Kritik' und 'Krise' hängen nicht nur der Wortgeschichte nach miteinander zusammen. Kritik kristallisiert sich in krisenhaften Situationen heraus: als Negation des Bestehenden. Der objektive Zweck der Negation aber ist das Bessere, also etwas Positives, das es herzustellen gilt - ganz gleich. ob und wie konturiertes sich schon benennen läßt." (Schweppenhäuser, G., 2003: Theodor W. Adorno zur Einführung. Hamburg:Junius Verlag, S. 19)

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Die Frage, wie sich der Medienkonsum auf die Fähigkeit zur Konzentration auswirkt, beschäftigt die Erziehungswissenschaft schon seit langer Zeit und in vielfältiger Form. Ich erinnere mich an Klagen von LehrerInnen, die über SchülerInnen in den ersten Stunden nach einem fernsehreichen Wochenende  klagten, diese würden den Eindruck erwecken, deren Gehirn sei noch immer an das Fernsehprogramm der Vortage angeschlossen. Es gelang kaum, diese Kinder auf ein anderes, unterrichtsrelevantes Thema zu konzentrieren. Eine Wirkung von Medien, egal welcher Art (ob Handy, Computer, Fernseher u.a.), ist die Inanspruchnahme unserer Gehirnfunktionen. Sicherlich kann der Mensch sich gleichzeitig auf mehrere Dinge konzentrieren. Aber die steigenden Unfahlzahlen, die auf den Handygebrauch beim Autofahren zurückzuführen sind, sprechen eine deutliche Sprache: Man kann sich eben doch nicht so gut auf zwei Dinge konzentrieren. In einem kürzlich veröffentlichten Interview hat Günter Grass festgestellt, dass die Fähigkeit zur Konzentration durch Mediennutzung abnehme: "Lesen heisst ja, zu einem abstrakten Schriftbild etwas zu imagininieren. Das ist ein tätiger Vorgang, während Fernsehen und alles, was über die kleinen Gerätchen läuft, nur bedient. Eine Folge ist eine deutliche Abnahme der Fähigkeit, sich konzentrieren zu können. Die ist aber vonnöten beim Lesen." Und eine vielleicht noch wichtigere Folge des wachsenden Medienkonsums ist der Verlust von eigenen, unmittelbaren Erfahrungen. Hierzu hat Helmut Sturm eine sehr aufschlussreiche Frage aufgeworfen: "Wenn Erfahrung bedeutet, Welt zu erfahren, sie zu entdecken, sich auf sie einzulassen, selbst Wege zu finden, sie sich zu erschliessen, erfahren zu werden, anzuknüpfen an Vorgängiges, aufzubewahren, zu bewahren, einzugreifen und die Eingriffe in ihren Wirkungen und Wechselwirkungen zu erleiden oder zu genießen, sie zu erkennen, die aktiven, intendierten oder imaginierten, die passiven und aktiven Bewegungen als bewusst gestaltete Beziehungen aufzubauen, ist vor der Welt der Bildschirme Erfahrung überhaupt noch möglich?" Diese Frage sollte diskutiert werden, bevor man die Schulen immer mehr mit Bildschirmen ausstattet und diesen zunehmend den  Bildungsprozesse überlässt. 

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Im Gang der Dinge scheint stets der Überlebende recht zu haben. Wer oben schwimmt, meint bei der Wahrheit der guten Sache zu sein. Darin liegt die tiefe Ungerechtigkeit der Blindheit für die Scheiternden ... welche durch die Ereignisse zertreten werden.

Karl Jaspers

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Thomas Vogel


Mäßigung in Zeiten von Corona – Gedanken über uns und unsere Zukunft


Zur Zeit wird die Welt von einem winzigen Virus bedroht, welches dafür sorgt, dass Fab-riken still stehen, Flüge gestrichen werden und Autos in der Garage bleiben. Die Corona-Krise versetzt Millionen von Menschen in eine neue, ungewohnte Situation: Sie sind in ihren Aktivitäten eingeschränkt und müssen ihre Sozialkontakte begrenzen. Ihr Lebenswandel ist entschleunigt. Sie werden auf sich selbst zurückgeworfen und gelangen in die für viele Men-schen ungewohnte Situation, allein zu sein und Langeweile auszuhalten. Der Lebensstil der Wohlstands-, Überfluss- und Beschleunigungsgesellschaft wird durch die Corona-Krise auf den Kopf gestellt. All die Aktivitäten, die zuvor im Zentrum eines fraglichen Lebensglücks standen, Besuche von Fußballstadien, Kreuzfahrten oder Shopping, sind genommen. Die Menschen müssen auf Zerstreuung verzichten, die sie zuvor abhielt, über den Sinn und die Grundlagen für Glück und Zufriedenheit gründlich nachzudenken.

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Mäßigung in Zeiten von Corona
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Was versteht man unter Kritik und kritisches Denken? Gerhard Schweppenhäuser hat diese Frage knapp und aussagekräftig beantwortet: "Wenn wir vernünftig reflektieren, das heißt, wenn wir systematisch und zusammenhängend denken, dann verhalten wir uns auch schon kritisch. Kritisieren heißt unterscheiden und mit Gründen entscheiden. 'Kritik' und 'Krise' hängen nicht nur der Wortgeschichte nach miteinander zusammen. Kritik kristallisiert sich in krisenhaften Situationen heraus: als Negation des Bestehenden. Der objektive Zweck der Negation aber ist das Bessere, also etwas Positives, das es herzustellen gilt - ganz gleich. ob und wie konturiertes sich schon benennen läßt." (Schweppenhäuser, G., 2003: Theodor W. Adorno zur Einführung. Hamburg:Junius Verlag, S. 19)

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Die Frage, wie sich der Medienkonsum auf die Fähigkeit zur Konzentration auswirkt, beschäftigt die Erziehungswissenschaft schon seit langer Zeit und in vielfältiger Form. Ich erinnere mich an Klagen von LehrerInnen, die über SchülerInnen in den ersten Stunden nach einem fernsehreichen Wochenende  klagten, diese würden den Eindruck erwecken, deren Gehirn sei noch immer an das Fernsehprogramm der Vortage angeschlossen. Es gelang kaum, diese Kinder auf ein anderes, unterrichtsrelevantes Thema zu konzentrieren. Eine Wirkung von Medien, egal welcher Art (ob Handy, Computer, Fernseher u.a.), ist die Inanspruchnahme unserer Gehirnfunktionen. Sicherlich kann der Mensch sich gleichzeitig auf mehrere Dinge konzentrieren. Aber die steigenden Unfahlzahlen, die auf den Handygebrauch beim Autofahren zurückzuführen sind, sprechen eine deutliche Sprache: Man kann sich eben doch nicht so gut auf zwei Dinge konzentrieren. In einem kürzlich veröffentlichten Interview hat Günter Grass festgestellt, dass die Fähigkeit zur Konzentration durch Mediennutzung abnehme: "Lesen heisst ja, zu einem abstrakten Schriftbild etwas zu imagininieren. Das ist ein tätiger Vorgang, während Fernsehen und alles, was über die kleinen Gerätchen läuft, nur bedient. Eine Folge ist eine deutliche Abnahme der Fähigkeit, sich konzentrieren zu können. Die ist aber vonnöten beim Lesen." Und eine vielleicht noch wichtigere Folge des wachsenden Medienkonsums ist der Verlust von eigenen, unmittelbaren Erfahrungen. Hierzu hat Helmut Sturm eine sehr aufschlussreiche Frage aufgeworfen: "Wenn Erfahrung bedeutet, Welt zu erfahren, sie zu entdecken, sich auf sie einzulassen, selbst Wege zu finden, sie sich zu erschliessen, erfahren zu werden, anzuknüpfen an Vorgängiges, aufzubewahren, zu bewahren, einzugreifen und die Eingriffe in ihren Wirkungen und Wechselwirkungen zu erleiden oder zu genießen, sie zu erkennen, die aktiven, intendierten oder imaginierten, die passiven und aktiven Bewegungen als bewusst gestaltete Beziehungen aufzubauen, ist vor der Welt der Bildschirme Erfahrung überhaupt noch möglich?" Diese Frage sollte diskutiert werden, bevor man die Schulen immer mehr mit Bildschirmen ausstattet und diesen zunehmend den  Bildungsprozesse überlässt. 

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Im Gang der Dinge scheint stets der Überlebende recht zu haben. Wer oben schwimmt, meint bei der Wahrheit der guten Sache zu sein. Darin liegt die tiefe Ungerechtigkeit der Blindheit für die Scheiternden ... welche durch die Ereignisse zertreten werden.

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Ich kann zwar nicht alle Aussagen des folgenden Gebets von Antoine de Saint-Exupéry unterschreiben, aber es enthält Weisheiten die helfen könnten, in der Beschleunigungsgesellschaft besser zu überleben.

Die Kunst der kleinen Schritte

Ich bitte nicht um Wunder und Visionen, Herr, sondern um Kraft für den Alltag. Lehre mich die Kunst der kleinen Schritte.

Mach mich findig und erfinderisch, um im täglichen Vielerlei meine Erkenntnisse zu notieren, von denen ich betroffen bin.

Mach mich griffsicher in der richtigen Zeiteinteilung. Schenke mir das Fingerspitzengefühl, um herauszufinden, was erstrangig und was zweitrangig ist.

Ich bitte um Kraft, dass ich nicht durch das Leben rutsche, sondern den Tagesablauf vernünftig einteile, auf Lichtblicke und Höhepunkte achte und hin und wieder Zeit finde für einen kulturellen Genuss.

Lass mich erkennen, dass Träume nicht weiterhelfen, weder über die Vergangenheit noch über die Zukunft. Hilf mir, das nächste so gut wie möglich zu tun und die jetzige Stunde als die wichtigste zu erkennen.

Bewahre mich vor dem Glauben, es müsse im Leben alles glatt gehen. Schenke mir die Erkenntnis, dass Schwierigkeiten, Niederlagen, Misserfolge und Rückschläge eine selbstverständliche Zugabe zum Leben sind, durch die wir wachsen und reifen.

 

Erinnere mich daran, dass das Herz oft gegen den Verstand streikt. Schick mir im rechten Augenblick einen Menschen, der den Mut hat, mir die Wahrheit zu sagen.

Ich möchte Dich und die anderen immer aussprechen lassen. Die Wahrheit sagt man sich nicht selbst, sie wird einem gesagt.

 

Ich weiß, dass sich viele Probleme dadurch lösen, wenn ich nichts tue. Gib, dass ich warten kann.

Du weißt, wie sehr wir der Freundschaft bedürfen. Gib, dass ich diesem schönsten Geschenk des Lebens gewachsen bin.

 

Verleihe mir die nötige Phantasie, im rechten Augenblick Güte zu zeigen.

 

Mach aus mir einen Menschen, der einem Schiff mit Tiefgang gleicht, um auch die zu erreichen, die unten sind.

 

Bewahre mich vor der Angst, ich könnte das Leben versäumen. Gib mir nicht, was ich mir wünsche, sondern das was ich brauche.

 

Lehre mich die Kunst der kleinen Schritte.

(Antoine de Saint-Exupéry, französischer Humanist und Schriftsteller, 1900 - 1944)

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"Wenn es einen gemeinsamen Nenner für alle Loser auf der Welt gab, dann wohl den, dass sie eine gestohlene Kindheit im Gepäck mit sich trugen."

Hakan Nesser, Krimi-Autor

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"Lieber ein Clown sein, als Regeln zu akzeptieren, die man nicht respektiert."

(Katja Petrowskaja,

ukrainisch-deutsche Schriftstellerin,

Ingeborg-Bachmann-Preisträgerin 2013)

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Über unserem Umgang mit den Dingen

 

„Der Flachs“ von Hans Christian Andersen

 

„Der Flachs steht auf dem Feld, kommt zur Blüte und denkt - in unserer Empfindung, denn das Denken ist in der Naturgeschichte uns zugefallen: Dies ist die Vollendung, so schön habe ich werden können! Dann kommen die Schnitter, und ihm wird arg mitgespielt, bis er sich schließlich in einem gewebten Leinenstoff wiederfindet. Und da kommt es ihm nach all der Not nun doch so vor, als sei dieses Leinen - mit ande­ren zusammen ein so schöner Stoff geworden zu sein - vielleicht eine noch höhere Vollendung als das Blühen auf dem Feld. Auch dabei aber bleibt es nicht, sondern der Stoff wird zerschnitten und genäht, das tut wieder furchtbar weh. Schließlich entsteht daraus jedoch ein festliches Kleid, das mit Freude getragen wird. So stra­paziös die Verwandlung war, ist es nun nicht doch noch schöner, dieses Kleid zu sein als nur Stoff in der Truhe? Das Kleid wird oft getragen, und immer ist der Flachs dabei, schließlich aber ist es abgetragen und bleibt im Schrank. War dies das Leben, so hatte er es dennoch weit gebracht. Es schien aber noch nicht vorbei zu sein, denn eines Tages ging es wieder los, und was nun kam, war noch furchtbarer als zu Leinen zu werden - so ein Reißen, Kochen und Quetschen hatte der Flachs noch nie erlebt. Schließlich aber war er dann zu Papier geworden, einem wunderschönen, großen weißen Bogen Leinenpapier. War dies nun nicht noch viel schöner als alles zuvor? Und doch war die Geschichte noch nicht zu Ende, sondern auf das Papier wurde ein Buch gedruckt. Das war erneut ein arges Geschneide und Gepresse, aber mit welchem Ergebnis! Weißes Papier ist schon sehr fein, aber nun erst das be­druckte als Träger von Gedanken, die noch viel feiner und leichter sind als das Papier, auf dem sie stehen. War nicht doch erst dies der Gipfel der Vollendung?“

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Jugendproteste in Großbritannien Ende August 2011 haben die  Öffentlichkeit aufgeschreckt und die Frage aufgeworfen, ob der Funke auch auf Deutschland überspringen kann.

 

Krawalle in Großbritannien - auch für Deutschland eine Mahnung?


Die Befürchtungen, auch in Deutschland könnte die Jugend wie in London und anderswo in Europa rebellieren, werden schnell mit dem Hinweis auf die geringe Jugendarbeitslosigkeit in Deutschland zurückgewiesen. Aber auch wenn es bei uns noch nicht zu Krawallen wie in England oder zu Jugendprotesten wie anderswo auf der Welt gekommen ist, unterscheidet sich die deutsche Entwicklung auf dem Ausbildungs- uns Arbeitsmarkt nicht grundsätzlich von den anderen europäischen Ländern und es gibt für Politiker und Wirtschaft keinen Grund, sich ruhig zurückzulehnen. In Deutschland wird bei den Diskussionen oft auf eine im europäischen Vergleich geringe Jugendarbeitslosigkeit von 9,1 % verwiesen. Diese Quote der jugendlichen Arbeitslosen legt aber nur eine Teilwahrheit der Situation frei; denn die in Deutschland nach wie vor fehlenden Ausbildungs- und Arbeitsplätze werden lediglich durch ein weitgespanntes, sogenanntes Übergangssystem Schule-Beruf verschleiert. Trotz dem man seit 2010 in Deutschland eine geringe Entspannung auf dem Ausbildungsstellenmarkt feststellt, konnte auch nach der aktuellen Statistik des Bundesinstituts für Berufsbildung (Berufsbildungsbericht Datenreport 2011, S.82) fast die Hälfte der Jugendlichen (46 %) , die eine duale Ausbildung anstrebte (51 % eines Jahrgangs) , keine solche Ausbildung antreten. Ihnen wird die Botschaft vermittelt, sie seien noch nicht ausbildungsreif oder sollten durch einen höheren allgemeinbildenden Schulabschluss ihre Chancen auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt verbessern. Sie landen in vollzeitschulischen Berufsbildungsgängen oder in Maßnahmen verschiedener öffentlicher und karitativer Anbieter. So hat sich in Deutschland mit dem sogenannten Übergangssystem eine riesige „Warteschleife“ für junge Menschen auf der Suche nach Ausbildungs- und Arbeitsplätzen herausgebildet, die jährlich etwa 6 Milliarden Euro an Steuergeldern verschlingt. Für die Betroffenen im Übergangssystem wird oft schon ein unbezahlter Praktikumsplatz als großer Erfolg gewertet, ein Ausbildungsplatz entspricht einem Sechser im Lotto. Und auch die qualifikatorischen Leistungen des Übergangssystems werden von Experten eher kritisch beurteilt; denn auch nach Durchlaufen einer oder mehrerer Maßnahmen im Übergangssystem werden die Chancen der Jugendlichen auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt kaum besser. Vielen gelingt es – wenn überhaupt – erst nach mehreren Jahren, in das reguläre duale Berufsbildungssystem einzumünden. Das steigert die Frustration der jungen Menschen und kann letztendlich sowohl unserer Gesellschaft als auch der Wirtschaft teuer zu stehen kommen. Schon heute zeichnen sich Probleme wie der Fachkräftemangel und eine zukünftige Finanzierung der Sozialsysteme deutlich ab. Darüber hinaus hatte der Sozialpsychologe Erich Fromm bereits vor über 50 Jahren eine deutliche Mahnung ausgegeben: „Der Wille zu zerstören muss entstehen, wenn der Wille, etwas zu schaffen, nicht befriedigt werden kann.“

 

Thomas Vogel

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Thomas Vogel auf "Zeit-Online.de":

 

"Die frustrierte Jugend"

 

veröffentlicht unter:

 

http://www.zeit.de/politik/deutschland/2011-09/leserartikel-jugend-arbeitslosigkeit

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leserartikel-jugend-arbeitslosigkeit.pdf
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