Forschungsprojekt "Naturbildung im Beruf. Natur- und Umweltbewusstsein von Schüler*innen und Auszubildenden an beruflichen Schulen in Mecklenburg-Vorpommern"

Forschungsprojekt in Kooperation mit Prof.'in Dr'in Júlia Wéber (Professur "Migrationsgesellschaft und Demokratiebildung") und Prof. Dr. Wolfgang von Gahlen-Hoops (Professur "Gesundheit und Pflege mit dem Schwerpunkt berufliche Didaktik") von der Hochschule Neubrandenburg.

 

Laufzeit: 02/2019 - vorauss. 02/21

 

Mittelgeber: Hochschule Neubrandenburg (Berufungsmittel) und Pädagogische Hochschule Heidelberg

 

Die Themen Klimawandel, Naturschutz und Nachhaltigkeit sind aktuell durch die „Fridays for Future“-Bewegung allgegenwärtig. Sie nehmen speziell für junge Erwachsene einen bedeutsamen Stellenwert in ihrer existenziellen Auseinandersetzung mit der eigenen Zukunft und derer künftiger Generationen ein.

 

Die meisten Aktivitäten zu einer Bildung für eine nachhaltige Entwicklung zielen auf den Konsum. Dass diese eigentlich bei der Produktion und im menschlichen Arbeitsprozess beginnt, wird in diesem Diskurs häufig vernachlässigt. Dabei ist für eine nachhaltige Entwicklung insbesondere und radikal das Verhältnis von Arbeit, Produktion und Wirtschaft zu den natürlichen Lebensgrundlagen zu betrachten.

 

Ausgangspunkt war ein Forschungsprojekt an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg zur gleichen Problemstellung, an das hier angeknüpft wird. Hierfür wurden im ersten Anlauf über 1400 Berufliche Schüler*innen unterschiedlicher Wirtschaftsregionen in Baden-Württemberg, Niedersachsen und Berlin (Industrieregion, eher ländlich strukturiert und Großstadt) über ihr Naturverständnis und ihre Sichtweise auf das Verhältnis von Natur und Arbeit mittels eines Online-Fragebogens befragt. Erste Befunde der Untersuchung wurden u. a. in der Ausgabe bwp@ 32 - Juni 2017 veröffentlicht.

 

Weiterführend wird das NaBiBer-Forschungsprojekt nun an Berufsbildenden Schulen in Mecklenburg-Vorpommern durchgeführt. Nach wie vor steht die Fragestellung, was Auszubildende und Schüler*innen aus unterschiedlichen Berufen über Natur und Umwelt sowie das Verhältnis von Natur und Arbeit denken, im Mittelpunkt des Projektvorhabens (Flyer). Der Online-Fragebogen wurde geringfügig modifiziert und um sozialpädagogische sowie gesundheitsbezogene Fragestellungen zusätzlich ergänzt.

 

Ziele: Das Forschungsprojekt zielt auf eine stärkere Verankerung einer Berufsbildung für eine nachhaltige Entwicklung in sozialen Professionen und Gesundheitsberufen und bietet didaktische Anstöße für die Ausgestaltung des beruflichen Unterrichts zu diesem Themenbereich.

1. Phase der NaBiBer-Studie (2015-2017)

 

Die NaBiBer-Studie stellt eine erste Untersuchungsphase eines umfassenderen Forschungsvorhabens dar. In einer quantitativen und darauf aufbauend zusätzlich geplanten qualitativen Studie soll das Naturverständnis von Auszubildenden verschiedener beruflicher Fachrichtungen im dualen System analysiert werden. Außerdem soll in Expertengesprächen untersucht werden, wie gegenwärtig in der Berufsbildungspraxis ein Verständnis für die Einbindung von menschlichen Arbeits- in Naturprozesse, deren Auswirkungen sowie eine Werthaltung bezüglich einer nachhaltigen Entwicklung von Produktions- und Dienstleistungsprozessen gefördert wird.

 

Für die Untersuchung des Naturverständnisses von Auszubildenden wurde ein online Fragebogen mit 58 Fragen entwickelt, den die Teilnehmenden individuell und anonym an einem PC mit Internetzugang ausfüllen konnten. Die Fragestellungen von NaBiBer wurden teilweise aus der bundesweiten Befragung zum Naturbewusstsein "Naturbewusstseinsstudie 2013" übernommen oder in Anlehnung an diese Studie formuliert. Da die Modellierungen der Naturbewusstseinstudie "[u]mfassende Einstellungsmuster und Motivstrukturen" (Bundesamt für Naturschutz 2015, 69) nicht abdecken konnten, nimmt sich das Forschungsprojekt NaBiBer dieser Forschungslücke an. Außerdem waren die Fragestellungen der Naturbewusstseinsstudie bereits wissenschaftlich erprobt und es war hierdurch zugleich möglich, Erkenntnisse darüber zu gewinnen, wie sich das Natur- und Nachhaltigkeitsbewusstsein von Auszubildenden im Vergleich zum Bundesdurchschnitt darstellt. Ein weiterer Teil der Umfrage zielte darüber hinaus auf die spezifische Sicht von Auszubildenden auf das Verhältnis von Natur und Arbeit sowie ihren diesbezüglichen Kenntnisstand und Informationsbedarf.

 

Die technische Umsetzung konnte mithilfe einer open source-Anwendung realisiert werden. Im Herbst 2015 wurden 1475 Auszubildende an Berufsbildenden Schulen dreier unterschiedlicher Wirtschaftsregionen (Industrieregion, eher ländlich strukturiert und Großstadt) befragt. Die Teilnehmer_innnen stammten aus insgesamt sechszehn Berufsfeldern, wobei die Verteilung auf die einzelnen Berufsfelder unterschiedlich ausfiel. Die Fragestellungen zielten sowohl auf die Bereiche eines allgemeinen Naturverständnisses von Auszubildenden, ihre persönlichen Dispositionen zu Natur und Nachhaltigkeit als auch auf die Einschätzung persönlicher Involviertheit und Motivation im Alltag bezüglich der Gestaltung von Naturprozessen im Kontext von menschlicher Arbeit und eines nachhaltigen Konsums. So wurden Befunde erzielt, die handlungsleitende Einstellungen und Meinungen von Auszubildenden in den Bereichen von Naturverständnis und Nachhaltigkeit während der Ausbildung, der eigenen beruflichen Tätigkeit und in Zukunftsprojektionen hinsichtlich ihres Arbeits- und Lebensalltag beinhalten. Insbesondere interessierte hierbei, ob und inwieweit die Potenziale naturgemäßen, naturschonenden und Naturprozesse fördernden (sie nicht zerstörenden) Lebensführung bei der Konzeptionalisierung und der Antizipation beruflicher Arbeits- und Zukunftskonzepte eine Rolle spielen.